Drehbuchautorin freut sich

Aus dem Sisi-Writers' Room
Der Unterschied zwischen Ver- und Bewerten

Ich arbeite sehr gerne im Team. Mir gefällt daran, dass die „Last Ideen auszuspucken“, dann nicht nur auf einem (meinem) Paar Schultern liegt, sondern auf den von zweien (oder gleich mehreren).

Die Köpfe zwischen diesen Schultern haben dann aber auch die Aufgabe, mit all den Ideen wertschätzend und konstruktiv umzugehen. Dazu gehört, dass der Unterschied zwischen Ver- und Bewerten klar ist.

Gerade z. B. schreibe ich mit Elena Hell an der nächsten Staffel von „Sisi“ und wir haben uns ein Ritual geschaffen, wie wir mit Ideen umgehen.

Wir verabreden uns für ein Zoom-Meeting und setzen uns dann drei Stunden hin. Schon nach fünf Minuten „Hallo, wie geht es dir?“ sind wir voll im Brainstorming drin.

Der Tod des Brainstormings wäre es jetzt aber, wenn wir direkt ins Bewerten gehen und z. B. sagen:

  • „Die Idee ist gut und die ist schlecht“ oder
  • „Die ist schlecht, weil …“

Das wäre wie die Handbremse bei voller Fahrt. Nicht nur werden wir langsamer oder kommen gar ganz zum Stehen. Wir kommen vielleicht sogar ins Schleudern.

Stattdessen versuchen wir würdigend um mit den Ideen des*der anderen umzugehen. Das heißt, wir versuchen eine Idee des*der anderen zu verwerten.

Das erfordert ein entsprechendes Mindset. Elena äußert z. B. eine Idee und ich frage mich dann:

  • „Okay, gut, was kann man daraus machen?“
  • „Wie kann man das noch »veredeln«?“
  • „Wie kann ich das noch weiterdenken?“

Wir sind da inzwischen beide sehr schnell in diesem Modus. Es wird dann ein richtiges Ideen-Ping-Pong: Tock, tock, tock, tock. Und es entstehen richtig lange Ideen-Ketten, weil wir versuchen auf den Ideen, der*des anderen aufzubauen.

Wir zelebrieren diese Art der Teamarbeit regelrecht. Und gerade eine Serie wie „Sisi“ braucht viel Material. Da wollen wir aus dem Vollen schöpfen können.

Unser Weg ist dann, dass wir erstmal nur raushauen, was uns alles einfällt, dann was uns jeweils dazu einfällt. Und erst im nächsten Schritt bewerten wir die Ideen.

Dafür gehen wir ganz bewusst in diesen anderen Modus. Es ist elementar wichtig, dass wir das das Brainstorming im ersten Schritt und das Bewerten im zweiten Schritt nicht miteinander vermischen.

Diese Daseinszustände, die man dann als Autor*in hat, nämlich das kreative „Ideenausspucken“ und Verwerten (a) sowie das analytische Ideenbewerten (2.), sind so unterschiedlich, dass es wirklich besser ist, es rituell zu trennen und nacheinander zu machen.

Walt Disney soll sogar extra Räume für die jeweiligen Zustände eingerichtet haben:
Für das Kreative gibt es einen Raum für das Erträumen von Ideen, einen Raum für das Verwerten. Und für das Analytische einen Raum zum Bewerten.

Und auch alleine hilft es natürlich, beim Brainstorming nicht gleich ins Bewerten zu kommen.

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Robert Krause
Freier Drehbuchautor, Regisseur und Story-Consultant. Honorarprofessor für Drehbuch am Lehrstuhl Creative Writing bei Doris Dörrie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München.
Storyboard von Benjamin Kniebe
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