Drehbuchautorin blickt überrascht auf Laptop

Logik und Unlogik

„Das ist aber doch unlogisch!“

Mit diesem Satz habe ich mir lange Zeit viele schöne Ideen von meiner inneren Stimme „schlechtreden“ lassen.

Gerade in Brainstormings ist es ein Satz, der gerne mal so fällt, ganz ohne zu bedenken, welche negative Kraft er entfalten kann.

Denn ja, es gibt viele Ideen, die erstmal unlogisch sind. Doch wenn eine Idee – eine eigene oder von anderen – immer direkt auf Logik geprüft wird, dann wars das ganz schnell mit den Ideen. Viele Ideen sind sofort tot, schaffen es nicht mehr in die nächste Runde und auch der Fluss weiterer Ideen droht zu versiegen.

Ich habe mir aber über die Jahre einen anderen Zugang antrainiert. Wenn mir eine Idee kommt, habe ich angefangen mich als erstes zu fagen: „Habe ich Lust, dies zu erzählen?“ Und wenn ich das bejaht habe, dann erst habe ich geprüft: „Ist es logisch in meiner Geschichte?“

Wichtig dabei: Wenn es nicht logisch war, ich aber Lust drauf hatte, es zu erzählen, dann darf ich nun die Idee nicht einfach verwerfen. Meine Aufgabe ist jetzt vielmehr mich darum zu kümmern, dass ich es eben logisch mache.

Ich will jetzt nicht sagen, dass du Dinge erzählen solltest, die unlogisch sind. Sondern vielmehr solltest du bei der Betrachtung von Ideen erst mal auf die erzählerische Lust achten und dich dann um die Lösung der evtl. Unlogik kümmern.

Gerade in Feedback-Runden z. B. mit Produzent*innen oder Redakteur*innen gibt es meist irgendeine*n im Raum, der immer erstmal feststellt: „Das ist aber doch unlogisch, geht ja gar nicht weil …, macht doch gar keinen Sinn.“

Mit dieser „Brille“ schmeißt man*sie aber letztendlich viele schöne oder potente Ideen weg – und das nur, weil sie im ersten Augenblick nicht logisch sind bzw. erscheinen.

In meinen eigenen Drehbüchern waren einige schöne Ideen zunächst unlogisch. Aber ich bin sehr froh, dass ich mich davon nicht habe abhalten lassen sie mir genauer anschauen.

Es ist dann manchmal mehr, manchmal weniger Arbeit die Logik herzustellen. In jedem Fall lohnt es sich, bei Ideen auf die Lust zu achten, sie zu erzählen – und dieser dann zu folgen.

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Robert Krause
Freier Drehbuchautor, Regisseur und Story-Consultant. Honorarprofessor für Drehbuch am Lehrstuhl Creative Writing bei Doris Dörrie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München.
Storyboard von Benjamin Kniebe
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